27.01.2026

Digitale Souveränität: Warum wir aufhören müssen, uns blind in Abhängigkeiten zu begeben

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Es ist ein gewohntes Bild: Ein Dienst wie Canva, Microsoft 365 oder ChatGPT hat eine Störung – und plötzlich steht die halbe Arbeitswelt still. Doch hinter dem kurzzeitigen Ärgernis verbirgt sich ein tieferliegendes, strategisches Problem. Während 92 % der deutschen Unternehmen angeben, dass digitale Souveränität für sie wichtig ist, fehlt 79 % eine konkrete Strategie, um diese auch umzusetzen.

Das ist das alarmierende Ergebnis des neuen Index Digitale Souveränität (IDS) von adesso SE und dem Handelsblatt Research Institute.

Was bedeutet Digitale Souveränität eigentlich?

Digitale Souveränität ist kein bloßes IT-Schlagwort. Sie beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens (oder Staates), digitale Systeme selbstbestimmt zu nutzen und zu kontrollieren. Wer souverän agiert, vermeidet den sogenannten Vendor Lock-in – die fatale Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter, aus der man technisch oder finanziell kaum noch ausbrechen kann.

Um Souveränität zu bewerten, müssen wir vier Kernaspekte betrachten:

  • Datensouveränität: Die volle Kontrolle darüber, wo Daten und Metadaten gespeichert werden (Data Residency in Europa) und wer darauf zugreifen darf.
  • Technische Unabhängigkeit: Der Einsatz von Open-Source-Lösungen, um nicht von proprietären Schnittstellen eines US-Giganten abhängig zu sein.
  • Betriebliche Souveränität: Sicherstellung, dass die IT-Infrastruktur und die Administratoren in der EU ansässig sind, um den Zugriff durch fremde Geheimdienste (z.B. via US Cloud Act) zu verhindern.
  • Governance: Die strikte Einhaltung europäischer Rechtsrahmen (DSGVO), ohne Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen.

Die Falle der Bequemlichkeit

Warum nutzen wir fast ausschließlich US-amerikanische Dienste? Die Antwort ist simpel: Sie sind benutzerfreundlich, hochgradig vernetzt und durch massives Risikokapital extrem schnell gewachsen. Doch dieser Komfort hat einen Preis. Wir zahlen nicht nur mit Abogebühren, sondern auch mit einer massiven Abhängigkeit von außereuropäischen Infrastrukturen und Rechtsräumen.
Wenn wir uns ausschließlich auf Tools aus Übersee verlassen, geben wir die Kontrolle über unsere Daten, unsere Prozesse und letztlich unsere Innovationskraft ab.

Der Status Quo: Ein gefährlicher Reifegrad

Laut der adesso-Studie liegt der durchschnittliche Reifegrad der digitalen Souveränität in Deutschland bei 66 %. Interessanterweise schneiden kleinere Unternehmen hier oft besser ab als Großkonzerne, da sie agiler auf Alternativen umsteigen können. Dennoch bleibt die Bilanz ernüchternd: 96 % der Unternehmen importieren ihre digitalen Schlüsseltechnologien.
Besonders kritisch ist die Lage bei der Künstlichen Intelligenz (KI). Hier droht eine neue Ära der Abhängigkeit, wenn wir uns ausschließlich auf Modelle aus dem Silicon Valley verlassen.

Mistral AI: Die europäische Antwort auf den KI-Hype

Dass es auch anders geht, zeigt das französische Unternehmen Mistral AI. Wie wir bereits in unserem Artikel „KI für Kleinunternehmer: Mistral als DSGVO-konforme Alternative zu ChatGPT“ beleuchtet haben, ist Mistral ein Paradebeispiel für gelebte Souveränität.
Mistral bietet leistungsstarke Modelle, die oft als Open-Source zur Verfügung stehen. Das bedeutet: Ein Unternehmen kann die KI auf eigenen Servern betreiben. Damit bleibt das wertvolle Firmenwissen im eigenen Haus und verlässt niemals den europäischen Rechtsraum.

Warum Mistral unterstützenswert ist:

  • Datenschutz (DSGVO): Die Einhaltung europäischer Standards ist hier kein „Add-on“, sondern Teil der DNA.
  • Open-Source-Ansatz: Mistral stellt viele Modelle offen zur Verfügung. Das erlaubt es Unternehmen, die KI auf eigenen Servern zu betreiben – die ultimative Form der Unabhängigkeit.
  • Effizienz: Die Modelle sind oft schlanker und kostengünstiger bei vergleichbarer Leistung.
    Mistral ist somit die leistungsstarke, effiziente und europäische Antwort auf die Dominanz von OpenAI und Google.

Das Problem des „Schwarmverhaltens“

Wenn europäische Alternativen existieren – warum nutzen wir sie dann nicht konsequenter? Hier stoßen wir auf das Phänomen des Schwarmverhaltens. Wir neigen dazu, das zu nutzen, was „alle“ nutzen.

  • „Jeder nutzt Canva, also gibt es dort die meisten Vorlagen.“
  • „Jeder nutzt ChatGPT, also gibt es dafür die meisten Tutorials.“

Dieses Verhalten schafft einen Teufelskreis: Je mehr Nutzer zu den US-Giganten strömen, desto mehr Kapital haben diese für Weiterentwicklungen, was sie wiederum attraktiver macht. Europäische Anbieter, die oft technisch ebenbürtig sind, kämpfen währenddessen um Sichtbarkeit und Marktanteile.

Unabhängigkeit ist eine strategische Entscheidung

Digitale Souveränität bedeutet nicht, sich komplett von US-Diensten abzuschotten. Das wäre in einer globalisierten Welt unrealistisch. Es bedeutet jedoch, Wahlfreiheit zu besitzen.

  • Redundanz schaffen: Habe ich einen Plan B, wenn mein Haupt-Grafiktool ausfällt?
  • Lokale Infrastruktur nutzen: Kann ich kritische KI-Anwendungen (wie Mistral) lokal oder bei einem europäischen Hoster betreiben?
  • Bewusst wählen: Entscheide ich mich für ein Tool, weil es das beste ist, oder nur, weil ich zu bequem bin, nach einer europäischen Alternative zu suchen?

Strategien für mehr Unabhängigkeit

Wie können Unternehmen den Sprung von der Theorie zur Praxis schaffen?

  • Strategieentwicklung: Digitale Souveränität muss Chefsache werden. Es braucht einen klaren Plan, welche kritischen Prozesse auf europäische Lösungen migriert werden können.
  • Europäische Ökosysteme nutzen: Initiativen wie Gaia-X oder das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) mit Lösungen wie openDesk bieten bereits heute starke Alternativen zu Microsoft & Co.
  • Resilienz durch Cybersecurity: Stärken Sie Ihre Abwehr gegen externe Zugriffsanfragen und setzen Sie auf Verschlüsselung, die auch vor dem Zugriff von Providern schützt.

Fazit: Souveränität stärkt Wettbewerbsfähigkeit

Der Aufbau eines starken europäischen Digital-Ökosystems scheitert nicht am mangelnden Talent oder an schlechter Technik. Er scheitert oft an unserer eigenen Trägheit.

Abhängigkeit frisst Handlungsfreiheit. Wer heute in digitale Souveränität investiert, sichert sich die Innovationskraft von morgen. Es geht nicht darum, US-Software zu verteufeln, sondern darum, Wahlfreiheit zurückzugewinnen.

Mistral AI ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass „Made in Europe“ im Bereich High-Tech Weltklasse sein kann. Indem wir Dienste wie Mistral AI unterstützen und auf europäische Cloud-Lösungen setzen, bauen wir ein digitales Fundament, das auch dann noch steht, wenn in Übersee die Server ausfallen oder sich die politischen Rahmenbedingungen ändern.

Es ist Zeit, die digitale Souveränität nicht nur als politisches Schlagwort zu sehen, sondern als unternehmerische Verantwortung. Denn wahre Unabhängigkeit beginnt mit der Entscheidung, wem wir unsere Daten und Prozesse anvertrauen.

Handeln Sie jetzt: Prüfen Sie Ihre IT-Infrastruktur. Wo sind Sie blind abhängig? Wo können Sie heute den ersten Schritt in Richtung Souveränität gehen?

Haben Sie Fragen zur Umsetzung einer souveränen KI-Strategie in Ihrem Unternehmen? Kontaktieren Sie uns!

FAQ zur Digitalen Souveränität

Digitale Souveränität ist die Fähigkeit von Unternehmen oder Staaten, digitale Systeme selbstbestimmt zu nutzen und zu kontrollieren. Es geht darum, unabhängig von einzelnen Anbietern zu agieren, die volle Kontrolle über eigene Daten zu behalten und IT-Entscheidungen ohne äußere Zwänge treffen zu können.

Die einseitige Nutzung von US-Diensten führt oft zu einem „Vendor Lock-in“, bei dem ein Wechsel technisch oder finanziell kaum möglich ist. Zudem unterliegen US-Anbieter Gesetzen wie dem Cloud Act, der den Zugriff von US-Behörden auf Daten ermöglichen kann, was im Konflikt mit der europäischen DSGVO stehen kann.

Ein Vendor Lock-in entsteht, wenn man so stark an die proprietäre Technologie eines Anbieters gebunden ist, dass ein Wechsel zu hohe Kosten oder Aufwände verursachen würde. Vermeiden lässt sich dies durch den Einsatz von Open-Source-Lösungen, offenen Schnittstellen und einer Multi-Cloud-Strategie.

Laut aktuellen Studien sind kleinere Unternehmen oft agiler. Sie haben weniger komplexe, über Jahrzehnte gewachsene IT-Strukturen (Legacy-Systeme) und können daher schneller auf europäische Alternativen oder Open-Source-Lösungen umsteigen als Großkonzerne.

Mistral AI ist eine europäische Alternative zu ChatGPT. Da Mistral viele Modelle als Open-Source zur Verfügung stellt, können Unternehmen die KI auf eigenen Servern betreiben. So verlassen sensible Firmendaten niemals den eigenen Rechtsraum und die volle Datensouveränität bleibt gewahrt.

Nein, aber sie ist eng miteinander verknüpft. Während die DSGVO den rechtlichen Rahmen für den Datenschutz vorgibt, ist digitale Souveränität die technische und strategische Fähigkeit, diesen Schutz auch tatsächlich durchzusetzen – zum Beispiel durch die Wahl des Serverstandorts und der Software-Architektur.

Schwarmverhalten beschreibt die Tendenz, Tools nur deshalb zu nutzen, weil „alle anderen“ sie auch nutzen (z. B. Canva oder ChatGPT). Dies stärkt die Marktmonopole großer Anbieter und macht es technisch ebenbürtigen europäischen Alternativen schwer, Sichtbarkeit zu erlangen.

Zuerst sollte eine Bestandsaufnahme der kritischen Prozesse erfolgen. Danach können gezielt Redundanzen geschaffen werden (Plan B bei Ausfällen) und europäische Ökosysteme wie Gaia-X oder Lösungen wie openDesk und Mistral AI in die IT-Strategie integriert werden.

Ein Mann mit Bart und Anzug sitzt lächelnd an einem Schreibtisch mit Laptop und Schreibtischlampe.


Ihr Ansprechpartner für Digitale Souveränität



Rafael Sobek

Technology & Products


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